Liebe Freunde der Hildener Jazztage. Das 9. Festival liegt hinter uns und wir bedanken uns für Ihr Interesse. Heute blicken nach Vorne auf unser kleines Jubiläum im kommenden Jahr. Die 10. Jazztage 2005 stehen an. Wir werden uns bemühen auch im kommenden Jahr wieder ein so vielseitiges und spannendes Programm auf die Beine zu stellen. Ihr Sensitive Colours Team.

Pressespiegel 2004

Vom Cooljazz regelrecht gepackt worden


Mathias Haus&Philipp van Endert (Photo:Olaf Staschik)
Hilden. Ein furioser Auftakt! Die 9. Hildener Jazztage hätten nicht "jazziger" beginnen können. Vor Konzertbeginn war an der Kasse zum Kunstraum im Gewerbepark Süd noch zu hören: "Ich geh´mal auf Verdacht rein, obwohl Cooljazz gar nicht mein DIng ist". Nach dem Konzert klang das dann so: "Wären die Veranstalter mit Traditionaljazz an den Start gegangen, hätte ich meinen Spaß gehabt - so hat es mich regelrecht gepackt!"

In der Tat: Das Duo "Mathias Haus&Philipp van Endert", Vibrafon und elektrische Gitarre, in Kennerkreisen seit 1995 eine erstklassige Jazz-Empfehlung, widerlegte mit einem begeisternden Zweistunden-Auftritt sämtliche Vorbehalte gegen "cool", gegen "free", gegen "new". Da trafen sich zwei virtuose Solisten zum musikalischen Gespräch ("conversations" schreiben sie als Leitmotiv hinter den Namen ihres Duos), gingen schon im ersten Stück "interessiert" und "die Auseinandersetzung" suchend aufeinander zu, dass auch der zweifelnde Traditionalist von Beginn an spürte: Hier wird nicht in fremden Klangwelten herumgegrübelt - hier machen zwei Könner mit Leidenschaft Musik, trifft Rede auf Gegenrede, lassen sich zwei musikalische Instanzen vom Rhythmus zusammenbinden und bis zur Atemlosigkeit antreiben.

Die Perfektion des Duos hatte etwas entwaffnendes. Alle Zurückhaltung Aufbrechendes. Im Saal fiel schon bald das unwillkürliche Fußwippen auf und hier und da auch der locker vorschnellende Schildkrötenhals des geniessenden Insiders. Mit einem Pat-Matheny-Titel fingen Haus und van Endert an. Einige Standarts folgten. Dann: "Romance - eine Komposition von Mathias Haus. Sphärische Klänge, die sich zu Strukturen formten, polyfone Linienführung über rhythmischer Grundierung. Spätestens jetzt war allgemeinses "Grooven" angesagt.

Und mit "Tabu", einer van-Endert-Komposition, zogen die beiden Musiker ihr Publikum dann in eine fantastische Klanggeschichte hinein - der Gitarrist mit verbissener Konzentration "nach innen"spilend, Haus am Vibrafon mit wirbelnder Akrobatik geradezu "um sich schlagend". Begeisterungsrufe! Und am Konzertende zwei nass geschwitzte Jazzer und ein restlos zufriedenes Publikum. (Peter Welk)  RP Hilden/Haan Samstag, 22.Mai 2004


Nicht gesucht und doch gefunden


Künstlerischer Leiter Peter Baumgärtner mit Bürgermeister Günter Scheib (Photo:Dirk Thomé)

Boogie Woogie Company. (Photo:Olaf Staschik)

Martin Sasse Trio featuring Vincent Herring
(Photo: Dirk Thomé)
Bereits zum Auftakt der 9. Hildener Jazztage wurde das hohe Niveau der Vorjahre erreicht.

Hilden. "Ich kann mich erinnern: 1992 sagte jeder zu mir, das Jazz nichts für Hilden sei", meinte Ralf G. Kraemer. Der Chef des Stadtmarketingvereins war einer der Gäste bei der Eröfnung der diesjährigen Jazztage. Bereits zum neunten Mal konnte Bürgermeister Günter Scheib am Mittwochabend den Startschuss zum wohl bedeutendsten Musikereignis der Innenstadt geben. Und es steht wohl ausser Frage, das Hilden und Jazz sich vielleicht nicht gesucht, aber doch gefunden haben.

Weit über 100 Gäste waren zur Eröffnung in den Kunstraum im Gewerbepark Süd gekommen, der - geschmückt mit den Bildern des Hildener Künstlers Stefan B. Jankowski - ein besonderes Ambiente bot. Wie gewohnt dauerte der offizielle Teil nur wenige Minuten; schließlich steht die Musik bei den Jazztagen im Mittelpunkt. Und für diese waren Mathias Haus und Philip van Endert bei der Eröffnung zuständig. Das Duo trat mit einer ungewöhnlichen Instrumentenkombination vor das Publikum. Haus spielte Vibrafon, van Endert begleitete ihn an der Gitarre. Beide wussten ihre Instrumente mit Gefühl und können zu bedienen und begeisterten die Gäste mit ungewohnten Klängen. Intressant an der Musik war vor allem, dass ein fester Takt oft schwer auszumachen war. Dennoch fanden die Musiker auch nach langen Soli stets wieder zusammen. Fraglos ein ungewöhnlicher, aber gelungener Einstieg in die Jazztage.

Im Park von Haus Horst ging es dann am Vatertag mit dem "Himmelfahrstjazz" weiter. Dank des schönen Wetters waren etwa 500 Gäste an die Horster Allee gekommen. Zuerst betrat die Düsseldorfer Boogie Woogie Company die Bühne.Combo ist seit 40 Jahren - in diesem Jahr feiert die Band ihr Jubiläum - ein fester Bestandteil der Jazzszene der Landeshauptstadt. Über die Jahre haben die vier Musikerbei etwa 2600 Konzerten überzeugt. Das Publikum hatte es sich rund um die Bühne an Tischen oder auf der Wiese bequem gemacht und ließ sich Gegrilltes und Kuchen bei Cover-Klängen von Muddy Waters und anderen Bluesgrößen schmecken.

Nachdem die Company die Bühne verlassen hatte, kam eine jüngere Truppe auf die Bühne, die es ebenfalls in sich hatte: Das Martin Sasse Trio featuring Vincent Herring. Die vier Musiker aus New York, die weltweit Top-Kritiken geerntet haben, touren derzeit durch Deutschland. In ihrem Heimatland stürmte der Pianist Sasse bereits die Jazz-Charts.

Fazit: Bereits zu Beginn erreichten die Hilden Jazztage das hohe Niveau, das das Publikum aus den Vorjahren gewohnt ist - und das Beste sollte noch kommen. (von Daniel Theus)  WZ Hilden Samstag, 22.Mai 2004


Seine Majestät, der Magier




Nigel Kennedy, "Kroke" (Photos:Dirk Thomé)

Nigel Kennedy (Photos: Olaf Staschik)
So einen wie Nigel Kennedy hat man in Hilden noch nie gehört. Zusammen mit der polnischen "Kroke Band" war der Starviolinist der absolute Höhepunkt der 9. Hildener Jazztage.

Hilden. Nigel - von allen geliebt! Er sieht immer noch so aus wie damals, Anfang der 90er, als er mit Punkerhaarschnitt und Revoluzzerjacke auf die internationale Bühne stürmte und die Klassik-Puristen mit "seinem" Vivaldi grün ärgerte und den Rest der Welt ungläubig aufhorchen ließ. (Eine junge Krakauerin, die ihrem Idol nach Hilden nachgereist ist, sitzt vor der Bühne auf dem Boden und sagt es zu sich selbst und zu allen um sie herum: "Nigel wird immer so aussehen!")

Botschafter der Musik

Die "Vier Jahreszeiten" wurden das meistverkaufte Klassikalbum aller Zeiten. Unlängst kürte man Nigel Kennedy zum "Botschafter der Musik, der zwischen den Welten E und U souverän zu vermitteln weiß", und der bei aller Souveränität, Künstlerschaft, bei allem Genialischen, das ihm nachgesagt wird, ein riesengroßes Kind geblieben ist. "Hello you fucking great audience!" Der Schalk guckt ihm aus dem Gesicht, als er auf die Bühne kommt, die millionenteure Guarneri wie ein Spielzeug schlenkernd, die geballte Faust den Leuten entgegenstreckend. "Kroke!" brüllt er in den Saal. Es kommt rüber wie der Schlachtruf eines ausgeflippten Kobolds: "Kroke!" Das jiddische Wort für Krakau. Seine Wahlheimat. Die "Kroke Band", das sind vier hinreißende Klezmermusiker (Viola, Maultrommel, Akkordeon, Kontrabass, Percussion), mit denen Nigel Kennedy in der Hildener Stadthalle ein Konzert (präsentiert von der Rheinischen Post) hinlegt, das mit einer Vitalität auf die Leute einprasselt, sie Piano-Augenblicke lang in Atemlosigkeit bannt und 1300 Einzelschicksale in kollektive Glückseeligkeit entführt.

Die Titel sagt Nigel Kennedy wie ein Muppet-Entertainer an: „Dafino Vino - it´s for you, Baby, what´s your name - Alicia? - I dedicate this to the one and only Alicia!“ Klezmermusik wirkt ansteckend. Führt zu unaufhaltsamer Verwirbelung der Sinne. Und ein Primas staht da in Hilden auf der Bühne, ein englischer Zigeuner mit einme Geigenton, wie erhypnotisierender nicht erfunden werden kann - ein Spielteufel und ein ganz großer Solist! Nigel Kennedy war der erste Schüler den Yehudi Menuhin in seine Geigenschule aufnahm. Er studierte beim legendären Jazzgeiger Stéphane Grapelli.




International Skoda Allstars" (Photo:Olaf Staschik)

„International Skoda Allstars“

Mit den Berliner Philharmonikern geht Kennedy auf Klassik-Tournee (für Dezember 2004 ist ein Auftritt in der Düsseldorfer Tonhalle geplant). Mit Daniel Stabrawa, dem ersten Geiger der Berliner, hat Kennedy gerade Doppekonzerte von Vivaldi aufgenommen (die CD kommt im Herbst). Und mit dem Album „East meets east - Nigel Kennedy and the Kroke Band“, im Juni 2003 aufgenommen, gelang der Truppe aus dem Stand der Sprung in die deutschen Pop-Charts. „Viel Spaß mit Nigel Kennedy!“ hatte der Bandleader der „International Skoda Allstars“ dem Publikum zugerufen; sie waren als Vorgruppe engagiert worden, und die Band kam an. Das Publikum bedankte sich mit herzlichem Applaus für einen Anderthalbstunden-Mix aus Jazz, klassischer Moderne und Vokalakrobatik. Dann Big Ben-Geschepper vom Band und Auftritt: Seine Majestät, der Mahier! Aufschreie! Allgemeines Kurzatmen! Hinfiebern!

Die Fotografen rangeln sich wie Rennmäuse die Rampe entlang (nur drei Minuten lang dürfe sie ihn aus der Nähe ablichten). Eine alte Dame faltet die Hände. Ein Herr befreit sich von der Krawatte. Dann legt Nigel los. Mit hächster Konzentration. Die Halle, zum ersten Mal bei den Jazztagen nach allen Seiten offen, gerät in atmosphärisches Schlingern. Und nach zwei wunderbaren Stunden verabschiedet er sich mit einem Csardas.Und mit was für einem! So einen hat man in Hilden noch nie gehört!

Peter Welk
RP Hilden Haan Montag, 24. Mai 2004

9. Hildener Jazztage: Erst bei Pee Wee Ellis taute das Publikum der "Groove Night" auf




Pee Wee Ellis (Photos:Olaf Staschik)
Vorglühen dauerte recht lange / Von Jens Krüger

Hilden. Grooviger Jazz, HipHop-Beats und elektronische Komponenten, überzogen von dem samtenen Mantel der Entspanntheit: Die Verschmelzung dieser Elemente ergibt "Largo", das Quartett, das am vergangenen Samstag den Auftakt zur "HIlden Groove Night" in der Stadthalle gab. Und die Band um den Luxemburger Trompeter Gast Waltzing hatte zunächst einen schweren Stand beim Publikum. Zwar intonierten insbesondere Hammond-Spieler Michel Reis und der Bandleader selbst, Waltzing, die Stücke ihres aktuellen Albums "Fables of LOst Time" voller Enthusiasmus, die unsichtbare Barriere zwischen Bühne und den ersten Stehtischen, an denen sich das Publikum sammelte, vermochten beide indes nicht zu durchbrechen.

Das sollte sich mit dem Auftritt des "Pee Wee Ellis Assembly" ändern. Wie auf Knopfdruck strömten die Besucher an den Bühnenrand um einen Blick zu erhaschen auf den ehemaligen James Brown-Komponisten.

Mit einem zufriedenen Lächeln kritzelte der Routinier Figuren aus seinem Saxofon, die mal seidenzart und im nächsten Moment knatternd wie ein Trecker durch die Stadthalle schwebten. Weniger aufgewühlt als sein ehemaliger Mitstreiter Maceo Parker präsentierte sich Ellis, dafür aber ebenso ambitioniert. Zunächst widmete sich das Septett seinen Instrumental-Stücken: "Pass the peas" etwa wurde angestimmt und neben Ellis selbst ließ insbesondere Gitarrist Martin Scales (mit fast schon Helge Schneider-artigem Gestus) den Funk(en) überspringen.

Als die Band gegen Ende "I got you (I feel good)" und "Shake everything you´ve got" anstimmte - bei dem ein Zuschauer zur Freude der Band den Gesangspart übernahm - war die nordische Reserviertheit des Publikums endgültig gebannt. Nach der Show saß Ellis noch Minuten am Bühnenrand, um Autogrammwünsche zu erfüllen.

In der folgenden Umbaupause leerte sich die Halle zwar beträchtlich, dennoch gelang es "Trance Groove", die gegen Mitternacht auftraten, den Stimmungspegel zu halten. Mit ihrer ungewöhnlichen Mixtur aus Can, Jimi Hendrix, und blubbernden Unterwassergrooves, vermengt mit einer Prise Jazz, präsentierte das Sextett das vielleicht ungewöhnlichste Programm des Abends.
RP Hilden Haan Montag, 24. Mai 2004


IPee Wee Ellis Assembly (Photo: Dirk Thomé)
Trance Groove (Photos:Olaf Staschik)


Zwischenruf

Das muss den Organisatoren der Hildener Jazztage, Peter Baumgärtner und Uwe Muth der Firma "Sensitive Colours", erst einmal jemand nachmachen: Jahr für Jahr gelingt es ihnen, das ausgezeichnete Programm des Vorjahres noch zu toppen. Fürs Jubiläum, für die 10. Hildener Jazztage, wird dies freilich eine fast unlösbare Aufgabe. Denn wer oder was soll eigentlich noch nach Nigel Kennedy kommen? Die Qualität des Auftritts des Violinisten in der Stadthalle lässt sich kaum in Worte fassen. Kennedy ist ein Gesamtkunstwerk. Seine Musik, seine Ausstrahlung - unerreicht.

Monika Salchert

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